Robotereinsatz – keine Frage der Unternehmensgröße

„Automate or evaporate.“ Das meint zumindest der amerikanische Professor Dr. Howie Choset vom Advanced Robotics Manufacturing Institute (ARM) aus Pittsburgh. „Automatisiere oder verschwinde“ mag ein harsches Statement sein. Aber in der Tat empfiehlt der Wissenschaftler Automatisierung für jede Unternehmensgröße. Wenn Sie als Geschäftsführer oder Produktionsleiter eines Fertigungsunternehmens die nächsten Schritte bei der Automatisierung Ihrer Werkzeugmaschinen gehen wollen, dürften Sie aktuelle Praxisbeispiele inspirieren. Denn auf Messen wie der World Robotics oder in Hannover präsentieren kleine und große Unternehmen faszinierende Lösungen.

Roboter bereitet Fast-Food Speisen zu

Vor allem aus der Massenproduktion sind Roboter mittlerweile nicht mehr wegzudenken. Smartphones werden heute fast durchweg von Robotern montiert. In den amerikanischen Lagern von Amazon arbeiten mittlerweile 45.000 Roboter. Sie kommissionieren Bestellungen, laden angelieferte Waren in die Hochregale ein. General Motors hat bereits 8.000 Roboter im Einsatz, die sogar über eine Cloud gesteuert werden. Wenn Sie nun aber denken, dass kleine Unternehmen einen viel zu großen Aufwand mit der Einführung von Robotern haben, täuschen Sie sich. So installierte das brasilianische Unternehmen Bionicook den wahrscheinlich ersten Fast-Food-Roboter-Automat der Welt: Ein KR 3 AGILUS kocht und serviert den Gästen Snacks, Getränke und Desserts.

Roboter belädt Biegemaschine mit 100 Kilogramm schweren Blechen

Der Fast-Food-Roboter-Automat mag ein etwas skurriles Projekt sein. Aber auch immer mehr deutsche Mittelständler in der Fertigungsindustrie setzen Roboter ein. Die Walter Wurster GmbH aus Leinfelden-Echterdingen installierte beispielsweise einen KUKA Roboter, der eine Biegemaschinen be- und entlädt. Das Unternehmen produziert mit 50 Mitarbeitern unter anderem die Ummantelung von Bäckereibacköfen aus Edelstahlblechen. Die Werkstücke wiegen bis zu 100 Kilogramm. Der KUKA Roboter assistiert beim vierstufigen Biegevorgang mit der Umlagerung der Werkstücke. Die Biegemaschine läuft fast komplett autonom und leistet die Arbeit, die früher von drei Mitarbeitern erledigt wurde.

Durch Roboter lohnt sich Produktion wieder in Deutschland

Generell ist der Robotereinsatz für die Blechverarbeitung geeignet, besonders für das Werkstück-Handling. Im Auftrag eines thüringischen Spezialbetriebs für Lüftungsrohre realisierte die SHL Automatisierungstechnik AG aus Böttingen eine Roboter-Systemlösung. KUKA Roboter be- und entladen und assistieren beim Schweißprozess. Ein Roboter nimmt zwei bis drei Werkstücke eines Rohrbogens von der Palette und führt sie zum Rundnahtschweißen in eine Schweißstation. Danach übergibt er an eine Bandschleifmaschine zum Schleifen der Naht am Außenradius. Anschließend führt ein weiterer Roboter das Werkstück an eine andere Bandschleifmaschine zum Verschleifen des Innenradius. Wenn notwendig, übergibt er noch an eine Poliermaschine. Am Ende des Prozesses legt er das Fertigteil in eine Werkstückpalette. Erst mit dieser Lösung konnte der Blechverarbeiter eine vormals nach Osteuropa verlagerte Produktion wieder nach Thüringen zurückholen.

Für Roboter gibt es Aufgaben in jedem Fertigungsbetrieb

Diese Beispiele zeigen, dass sich der Robotereinsatz heute gerade auch bei kleineren Fertigungsbetrieben rechnet. Denn sie sind günstiger geworden in Anschaffung und Unterhalt. Durch die Übernahme anstrengender Arbeiten mit schweren Werkstücken entlasten sie die Mitarbeiter. Diese können sich qualifizierteren Arbeiten widmen. In der Summe steigt die Produktivität, und die Lohnstückkosten sinken.

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