Zu Land und zu Wasser

Was haben ethische Fragestellungen der Robotik mit einem Badeanzug zu tun? Bei Nadine Bender einiges. Denn beides bestimmt maßgeblich ihren Alltag. Während sie im Beruf als Senior Analyst of Social Impact of Robotics die psychosozialen Auswirkungen der Robotik näher untersucht, fühlt sie sich privat im Wasser, auf dem Rad oder auch auf der Laufstrecke daheim. Denn Bender ist Triathletin und trainiert bis zu 20 Stunden pro Woche.

Schon im Kindesalter begann Bender ihre sportliche Laufbahn als Leistungsschwimmerin. In ihrer Schwimmkarriere startete sie insgesamt bei 15 deutschen Meisterschaften und stand bei unzähligen schwäbischen, bayerischen und süddeutschen Meisterschaften auf dem Podest und im Finale. Was kann man da noch erreichen? Das fragte sich auch Bender und als sie keine Antwort darauf fand, war nach 21 Jahren im Wasser tatsächlich die Luft raus.

Vom Wasser ans Land

Mehr sportliche Abwechslung fand Bender dann im Triathlon. Und schon bei einem ihrer ersten Versuche – dem Allgäu Triathlon – hat sie einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Denn die Teamchefin des damaligen Bayern- und Regionalliga Triathlon-Vereins Schongau wollte sie an Bord haben. Und das als Anfängerin. Von Druck oder Angst, war bei Bender dabei nichts zu spüren: „Ich dachte mir nur: Was soll’s, das ist mal was anderes“.

„Wenn es dann im Rennen läuft, weiß man wofür man so hart trainiert“
Bildquelle: Wolfgang Hackl
Doch statt Medaillen und einem Platz auf dem Siegertreppchen gab es in ihrer ersten Triathlon-Saison 2018 für Bender zwei Bänderrisse und einen angerissenen Kapselbandapparat. Dafür lief es 2019 umso besser und die KUKAnerin konnte mit den Schongauerinnen in der 2. Bundesliga durchstarten und die erste Saison dort direkt auf dem dritten Tabellenrang beenden. Für 2020 standen also große Ziele auf dem Plan, der wie so vieles von Corona durchkreuzt wurde. Wegen der Pandemie mussten erstmal alle Wettkämpfe abgesagt werden. „Ungefähr jeden dritten Tag kam eine Absage hereingeflattert. Auch wenn die ergriffenen Corona-Maßnahmen natürlich wichtig sind, war das erstmal demotivierend. Man trainiert schließlich lange Zeit darauf hin.“, erklärte Bender. Umso glücklicher war sie, dass im August 2020 dann doch noch die Premiere auf der Mitteldistanz (1,9km Schwimmen, 90km Radfahren und 21,1km Laufen) geklappt hat. Mit einer sehr starken Zeit von 4:55 Stunden überraschte Bender dabei sogar ihren neuen Trainer, Frank Lauxtermann von der TG Viktoria Augsburg.
Üben, üben, üben

Um 2021 wieder voll durchstarten zu können, nutzt Bender alle möglichen Zeitfenster zur Vorbereitung: direkt nach dem Aufstehen, in der Mittagspause und am Feierabend. Ein Training mal ausfallen zu lassen, ist undenkbar: „Das ist für mich wie aufstehen und Zähne putzen.“ Um das alles unter einen Hut zu kriegen, braucht es einen Plan, an den sich Bender auch akribisch hält. „Ohne geht es einfach nicht. Schon allein, wegen der Arbeit und weil uns auch unser Hausbau auf Trab gehalten hat.“

„Der Übergang vom Becken ins Freiwasser im Schwimmen ist schwerer als man denkt.“
Bildquelle: Marcel Hilger
Wenn sie von „uns“ spricht, meint sie sich und ihren Verlobten Chris. Doch was sagt der zu dem zeitintensiven Hobby? „Wir haben uns über den Sport kennen gelernt. Chris war mein Schwimmtrainer und irgendwann hat es dann einfach gefunkt.“ Anfangs hatte er auch die Triathlon-Pläne für seinen Schützling geschrieben. Dieses Modell war allerdings nicht von Erfolg gekrönt. „Irgendwann musste ich ihn als Triathlon-Trainer leider entlassen. Da haben wir uns zu oft in die Haare bekommen“, erzählte Bender mit einem Schmunzeln.

Zeitmanagement ist alles

Arbeit, Sport, Haushalt und Hausbau: Wie bleibt da noch Zeit für andere Dinge? „Ich treffe mich natürlich auch mit Freunden. Es gibt ja auch Wochen, in denen ich weniger trainiere.“ Wo die meisten eher aufpassen müssen, nicht zu viele Kalorien zu sich zu nehmen, hat Bender das gegenteilige Problem – bei dem vielen Training, braucht der Körper auch dementsprechend viel Treibstoff. Das muss auch erst mal im Tagesplan untergebracht werden. Alles in allem ist der zeitliche Stress für Bender aber kein Problem: „Ich kenne es nicht anders. Meine Tage sind schon immer sehr durchgetaktet. Ich würd’s nicht machen, wenn es mir keinen Spaß machen würde. Aber für mich gibt es kein besseres Gefühl, als sich richtig zu verausgaben“ – egal ob im Wasser oder an Land.

Bildquelle Headerbild: Marcel Hilger

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