»Der Roboter soll ein sympathisches Werkzeug sein«

Martina Mara ist Professorin für Roboterpsychologie an der Johannes Kepler Universität im österreichischen Linz. Sie beschäftigt sich mit den Fragen, wie Roboter wahrgenommen werden und unter welchen Voraussetzungen Menschen gut und gerne mit Robotern zusammenarbeiten. Im Gespräch schildert sie, welche Aufgaben Roboter auf absehbare Zeit übernehmen können, wie man Menschen das Unbehagen vor den maschinellen Helfern nehmen kann und wann der »Kollege Roboter« als störend empfunden wird.

Wie lange wird es noch dauern, bis so ausgereifte Roboter wie der berühmte Roboter C­3PO aus dem Film »Star Wars« uns im Alltag unterstützen?

Prof. Martina Mara: (lacht) Mit Zeitangaben ist es so eine Sache. Da liegt man retrospektiv betrachtet fast immer falsch! Bis Roboter Eigenschaften wie der neurotische C-3PO aufweisen, wird es aber zweifellos noch sehr lange dauern. Vielleicht wird es sie nie geben. In der Forschung gibt es derzeit nämlich keine Anzeichen dafür, dass Maschinen mit Bewusstsein oder realem emotionalem Empfinden überhaupt herstellbar wären. Simulieren kann man so etwas aber natürlich schon. Es gibt viele Anwendungen, bei denen Roboter menschenähnliches Verhalten nachahmen. Das hat natürlich seine Wirkung auf uns Menschen.

Wo liegen die Grenzen der Robotik?

Mara: Es ist kaum möglich, Robotern menschliche Fähigkeiten wie etwa empathische Kommunikation, Kreativität im Umgang mit Neuem oder auch Ironie beizubringen. Ebenfalls schwierig ist die Imitation verschiedener motorischer Fähigkeiten. Der aufrechte Gang durch das Getümmel einer Einkaufsstraße etwa oder die Fingerfertigkeit im Umgang mit unterschiedlichem Material wie Glas oder Papier. Aber Roboter haben in vielen anderen Bereichen Stärken. Da muss man ja nicht gerade nachbilden, was ohnehin Menschen sehr gut können.

Derzeit wird viel darüber diskutiert, wie Roboter den Menschen etwa im Haushalt unterstützen können. Wo sehen Sie Einsatzmöglichkeiten für die Servicerobotik?

Mara: Kurzfristig sehe ich die Weiterentwicklung von Reinigungs- und Mährobotern oder auch einfachen sozialen Robotern für den Haushalt, die auf Zuruf beispielsweise Fotos machen, Spiele spielen oder Infos im Web suchen. Eine erweiterte Form der Sprachassistenzsysteme sozusagen. Zudem gibt es sicher Potenzial bei mobilen Transportrobotern, die Gegenstände holen oder vielleicht sogar Päckchen bringen.

Und mittelfristig?

Mara: Mittelfristig müssen wir uns die Frage stellen: Was wollen wir überhaupt automatisieren? Was soll der Mensch machen, was soll der Roboter übernehmen? Es kann ja durchaus Sinn machen, Robotern und künstlichen Intelligenzen Aufgaben zu übertragen, damit uns mehr Zeit für andere Dinge bleibt. Wir profitieren am meisten davon, wenn der Roboter komplementär mit uns zusammenarbeitet.

Der Mensch und der Roboter arbeiten direkt zusammen. Kann das gut gehen?

Mara: Wir wissen, dass Menschen häufig skeptisch auf Roboter reagieren, wenn diese im Aussehen oder auch im Verhalten zu menschengleich werden. Das löst Unbehagen aus. Bei kollaborativen Robotern am Arbeitsplatz trifft das in der Regel zwar nicht zu, trotzdem sollte auch hier stärker auf die verschiedenen Bedürfnisse verschiedener Personen eingegangen werden. Ein Experte hat andere Anforderungen an einen Roboter als ein untrainierter Laie. Die eine Person bevorzugt einen aktiveren Interaktionspartner, während die andere mit einem zurückhaltenden Roboter besser zurechtkommt, der das nächste Bauteil erst dann vorhält, wenn der User ein Kommando erteilt hat. Vielleicht wird in der Zukunft maßgeschneidertes Roboterverhalten, das sich diesen unterschiedlichen Bedürfnissen anpasst, möglich.

Können Sie ein Beispiel nennen, wo der Einsatz in der Servicerobotik sinnvoll ist?

Mara: Es macht meiner Meinung nach wenig Sinn, Roboter mit der sozial-emotionalen Betreuung von Kindern oder Senioren zu betrauen. Stattdessen könnten sie etwa in der Krankenpflege mechanische Unterstützung leisten. Ich denke an mobile Plattformen, die Bettwäsche transportieren oder auch an robotische Exoskelette zum Anziehen, die den Rücken von Pflegern beim Heben stützen. So könnte das Personal zeitlich wie körperlich entlastet werden und der Roboter wäre keine Konkurrenz, sondern ein – im besten Fall sympathisches – Werkzeug.

Welche Herausforderungen sind dafür noch zu nehmen?

Mara: In Zukunft werden immer mehr Nicht-Roboterexperten mit Robotern zu tun haben. Deshalb muss die Technologie optimiert werden, etwa bei der Flüssigkeit der Kommunikation. Diese ist aktuell noch oft schleppend, was zu Unsicherheiten in der Interaktion führt. Es ist nicht immer klar, ob ein Roboter eine Aufgabe bereits vollständig ausgeführt hat oder ob er noch auf Input wartet. Wir wissen durch Untersuchungen, dass Menschen in so einem Fall die Zusammenarbeit schnell abbrechen. Roboter müssen daher schneller und in ihren Zuständen und Zielen besser verständlich werden.

Erlauben Sie eine persönliche Frage: Nutzen Sie selber Serviceroboter?

Mara: Ich hätte gerne einen Fensterputzroboter (lacht). Im Ernst: Ich teste immer wieder diverse Prototypen, warte aber noch auf das Nonplusultra.

Das Interview mit Prof. Mara erschient in „the o.i.“ 2019

Bildnachweise:
Headerbild: iStock/Rainer Zapka
Porträtbild: Herrmann Wakolbinger

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