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Auf der Suche nach der gleichen Sprache

Waren Sie schon mal in einem Land, dessen Sprache Sie nicht sprechen? Wahrscheinlich schon. Dann ist Ihnen sicher auch aufgefallen, wie wichtig es ist, sich verständigen zu können. Was wir Menschen oft noch mit Händen und Füßen andeuten können, gestaltet sich in der Industrie 4.0 schon schwieriger. Denn auch Maschinen sprechen unterschiedliche Sprachen. Das Forschungsprojekt BaSys 4.0 und dessen Nachfolgeprojekt BaSys 4.2 wollen dieses Problem lösen.

Industrie 4.0 ist nicht nur die Bezeichnung für eine neue Technologie. Vielmehr geht es dabei um ein komplettes Produktionskonzept. Ziel ist es, die Produktion wandelbarer zu gestalten, damit sie sich schneller an neue Qualitätsansprüche und sich verändernde Produktionsanforderungen anpassen kann. Die Produktion in Losgröße 1 soll damit Realität werden. Doch das geht nur, wenn eine Maschine weiß, was die andere tut. Alle Komponenten der Produktion müssen also miteinander vernetzt sein und sich austauschen können.

Lieber mit dem richtigen Vokabular als mit Händen und Füßen

Dafür ist es wichtig, die gleiche Sprache zu sprechen. Denn stellen Sie sich mal vor, sie müssten komplexe industrielle Prozesse erklären und sind der Sprache Ihres Gegenübers nicht mächtig. Sie würden auch mit Händen und Füßen schnell an Ihre Grenzen stoßen. „Wichtig dafür sind ein einheitliches Vokabular sowie die richtigen Schnittstellen mit den passenden Werkzeugen dafür“, sagt Dr. Jürgen Bock, Clusterleiter „Smart Data and Infrastructures“ und Projektverantwortlicher bei KUKA.

Logo BaSys 4.0Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Verbundprojekt Basissystem Industrie 4.0 (BaSys 4.0), in dem KUKA gemeinsam mit 14 weiteren Partnern aus Forschung und Industrie gearbeitet hat, hat sich genau dieser komplexen Problematik gewidmet. Das übergeordnete Ziel war ein Software Basissystem – die BaSys 4.0 Middleware – zu entwickeln, das die Kommunikation zwischen unterschiedlichen Industrie 4.0 Komponenten ermöglicht. „KUKA legte als Automatisierungsspezialist den Fokus dabei vor allem auf wandlungsfähige Produktionsanlagen und stellte eine realistische Produktionsumgebung zur Verfügung“, erklärt Bock.

Eine entscheidende Rolle spielte dabei die Zusammenarbeit mit der Plattform Industrie 4.0 und verschiedenen Fachverbänden. Gemeinsam wurde eine sogenannte Verwaltungsschale konzipiert, eine allgemeine Kommunikationsschnittstelle. Sie stellt den digitalen Zwilling einer Komponente dar und enthält alle Informationen in vereinheitlichter Form. Die Idee dahinter: durch die Vereinheitlichung der Informationen wird auch die Wandelbarkeit erhöht, denn Komponenten mit den gleichen Fähigkeiten können ohne großen Aufwand gegeneinander ausgetauscht werden.

Mit dem Latein noch nicht am Ende

Logo BaSys 4.2Die Ergebnisse des Forschungsprojekts BaSys 4.0 legen jetzt die Grundlage für die weiteren Entwicklungen im Bereich Industrie 4.0 und für das ebenfalls vom BMBF geförderte Nachfolgeprojekt BaSys 4.2. Nun soll es vor allem auch kleinen und mittelständischen Unternehmen ermöglicht werden, Industrie 4.0 in ihre Produktion zu integrieren. Denn viele Unternehmen möchten zwar gerne digitalisieren, scheitern aber an Hürden wie beispielsweise den hohen Kosten oder der Inkompatibilität ihrer verschiedenen Maschinen. Außerdem sollen Stillstandzeiten einer Anlage optimiert werden, um eine kontinuierliche Fertigung schaffen zu können und die beiden Bereiche Fertigungs- und Prozessindustrie sollen vereinheitlicht werden.

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