„Robotik und Handwerk ergänzen sich“

Er war das Highlight der Bundesgartenschau 2019: Ein Holzpavillon, der von Roboterhand gefertigt wurde. Reinhold Müller, Geschäftsführer der Müllerblaustein Holzbauwerke, hat dieses Projekt in Kooperation mit KUKA und dem Institute for Computational Design and Construction der Universität Stuttgart umgesetzt. Im Interview erklärt er, wie Robotik und Handwerk zusammenpassen und was die Zukunft für den Holzbau bereithält.

Herr Müller, wann haben Sie begonnen, sich in Ihrem Unternehmen mit dem Thema „Automatisierung“ auseinanderzusetzen?
Ich leite unseren Familienbetrieb bereits in der dritten Generation. Schon mein Vater hat sich in den 70ern und 80ern damit beschäftigt, wie die Arbeit im Holzbau durch den Einsatz von Maschinen optimiert werden kann. So kam eins zum anderen: Anfang der 80er hatten wir als eine der ersten Holzbau-Firmen eine Portal-CNC-Fräse für den Treppenbau und in den 90ern haben wir die erste CNC-Abbundanlage im Abbund-Zentrum Ulm installiert. Die Auseinandersetzung mit Roboter-Technik war also in den 2000ern der nächste Schritt.

Wie ist das Robotik-Projekt der Bundesgartenschau entstanden?
Die Universität Stuttgart erforscht, wie durch digitale Planung und automatisierte Produktion neue Bauweisen entstehen. Dabei hatten die Wissenschaftler die Idee, einen Pavillon von Roboterhand bauen zu lassen und suchten gemeinsam mit dem Integrator BEC nach einem Holzbau-Unternehmen, um es umzusetzen. Wir suchten einen Robotikhersteller, der uns bei unserer Arbeit unterstützt und KUKA suchte eine Möglichkeit, Roboter im Handwerk einzusetzen. So haben wir zusammengefunden.

Wie entsteht ein Pavillon von Roboterhand?
Der Pavillon der Bundesgartenschau besteht aus fast 400 Elementen – jedes davon ein Einzelstück. Die Roboter schneiden diese Elemente aus Holzplatten und -balken zu, positionieren die Bauteile, setzen sie zusammen und verkleben sie. Im Gegensatz zur handwerklichen Produktion – die mal schneller, mal langsamer vonstattengeht – benötigen die Roboter dabei für jedes Element exakt die gleiche Zeit.

Wie haben Ihre Mitarbeiter auf den Einsatz von Robotern reagiert?
Zunächst waren sie sehr skeptisch und dachten, die Roboter würden ihnen die Arbeit wegnehmen. Im Produktionsbetrieb haben sie aber erkannt, dass die Roboter sie vor allem bei körperlich sehr anstrengenden Arbeiten entlasten und sie sich auf andere Aufgaben konzentrieren können. Handwerk und Robotik ergänzen sich hier ideal.

Welche Aufgaben könnten Roboter zukünftig noch übernehmen?
Sämtliche Arbeiten, um den Zimmerer zu unterstützen – zum Beispiel schwere Bauteile bewegen, Klebstoffe richtig dosieren und auftragen oder die Bauteile so positionieren, dass sie vom Handwerker nur noch verbunden werden müssen. Es gibt unzählige Einsatzmöglichkeiten.

Was wird die Zukunft Ihrer Meinung nach für den Holzbau bereithalten?
Durch die Klimaschutzdiskussion und die Forderung nach CO2-Einsparungen wird der Holzbau den Beton- und Stahlbau in zahlreichen Bereichen ersetzen. Durch den steigenden Bedarf sind Automatisierung und der Einsatz von Robotik auch im Holzbau zukünftig unerlässlich.

Vielen Dank für das Gespräch.

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