Helfer auf dem Bau

Deutsche Bauunternehmen leiden unter wachsendem Fachkräftemangel. Eine mögliche Lösung: Automatisierung. Der Einsatz von Robotik auf Baustellen kann Handwerker entlasten, Prozesse vereinfachen und das Image der Baubranche nachhaltig verändern.

Lösung für den Fachkräftemangel

Das deutsche Baugewerbe boomt. 2018 erhielten Unternehmen Aufträge im Wert von 79,5 Milliarden Euro – ein solches Ergebnis gab es zuletzt 1994. Doch den Bauunternehmen fehlt es an Nachwuchs: 60 Prozent der Ausbildungsstellen im Hoch- und Tiefbau waren im Juni 2019 unbesetzt. Grund für den Mangel an Fachkräften ist vor allem das negative Image der Branche, die Arbeit gilt als schmutzig, anstrengend und schlecht bezahlt.

Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken und die Baubranche zu modernisieren, braucht es digitale Innovation: Schätzungen zufolge könnten in der Zukunft – insofern die richtigen Voraussetzungen geschaffen werden – 80 Prozent der Arbeiten, die beim Bau eines Gebäudes anfallen, von Robotern übernommen werden.

Die Arbeitswelt im Wandel

„Im automatisierten Bau sind sämtliche Prozesse optimal aufeinander abgestimmt – von der Fertigung einzelner Bauteile über die Qualitätssicherung bis zur Montage der Tagkonstruktionen und Außenwände“, sagt Professor Thomas Bock, Leiter des Lehrstuhls für Baurealisierung und Baurobotik an der Technischen Universität München, im TEDx-Talk Stuttgart. Er ist überzeugt, dass Bauroboter die Arbeitswelt revolutionieren werden. In zahlreichen Pilotprojekten bohren Roboter bereits Löcher in schwere Betonteile, transportieren Außenwände oder – innerhalb nur einer Woche – können sie ein ganzes Gebäude hochziehen.

Wie Roboter Architektur und Holzbau revolutionieren können

Neue Berufsbilder

Die Vorteile liegen auf der Hand: Eine schnellere und effizientere Umsetzung, weniger Baufehler und geringere Kosten. Zudem können zukünftig insbesondere gefährliche, eintönige und körperlich anstrengende Arbeiten von Robotern übernommen werden. Damit entstehen neue Berufsbilder: Handwerker werden in Zukunft mit Robotik- und Computersystemen kooperieren und sich vermehrt administrativen sowie kreativen Aufgaben widmen, beispielsweise der Planung individueller Bauprojekte oder der Weiterentwicklung von Bauprozessen.

Umsetzung im Mittelstand

Aktuell arbeiten Unternehmen und Universitäten mit Hochdruck daran, den Einsatz von Baurobotern für den Mittelstand zugänglich und erschwinglich zu machen. Wie Roboter schon heute in der Praxis eingesetzt werden, zeigte 2019 beispielsweise ein Projekt der Universität Stuttgart in Kooperation mit KUKA und den Müllerblaustein Holzbauwerken. Zwei KUKA Roboter des Typs KR 500 FORTEC fertigten für die Bundesgartenschau einen innovativen Holzpavillon in Leichtbauweise.

 

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