„Eine Stadt lebt von ihren Bewohnern und deren Versorgung“

Bereits heute lebt mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung in urbanen Gebieten. Bis 2050 werden geschätzt 2,5 Milliarden Menschen zusätzlich in die Städte drängen. Liest man die Zahlen des UN-Berichts »World Urbanization Prospects 2018« drängt sich eine Frage auf: Wie kann die Urbanisierung für alle Beteiligten erfolgreich gestaltet werden?

»Eine City ist dann smart, wenn sie lebenswert ist«, sagt Dr. Christian Baur, CEO von Swisslog Logistics Automation. Für ihn müssen die Städte der Zukunft vor allem eines sein: nachhaltig.

»Eine Stadt lebt von ihren Bewohnern und deren Versorgung. Bewohner wollen Güter konsumieren und die Güter, die sie konsumieren, müssen geliefert werden. Möglichst schnell und ohne großen Aufwand. Dieser Anlieferprozess führt natürlich zu einem hohen Verkehrsaufkommen und dadurch zu Lärm und Luftverschmutzung. Um also auch in Zukunft den Lebensraum Stadt lebenswert zu gestalten, brauchen wir neue Konzepte für die City-Logistik.«

Mehr Lieferungen, neue Herausforderungen

So sieht das auch Dr. Christian Jacobi, geschäftsführender Gesellschafter der Unternehmensberatung agiplan, Vorstandsmitglied der Bundesvereinigung Logistik (BVL) und Sprecher des BVL-Themenkreises Urbane Logistik: »Die urbane Logistik ist nicht nur mitverantwortlich, sondern auch gefordert, damit die Stadt der Zukunft nicht nur funktioniert, sondern einen lebenswerten und gesunden Raum bietet.«

Dafür muss der Warenverkehr neu organisiert werden. »Und zwar derart, dass der Handel keine Einbußen erfährt, Emissionen gesenkt und die gestiegenen Kundenerwartungen, beispielsweise an Same-Day-Delivery und pünktliche Fresh-Food-Lieferungen, erfüllt werden.«

Eine große Herausforderung für die Städte. Denn laut einer Online-Befragung zum Thema City-Logistik werden allein in Deutschland jeden Tag knapp zehn Millionen Pakete zugestellt. Der Bundesverband Paket und Expresslogistik erwartet bis 2021 einen Anstieg auf 4,15 Milliarden Sendungen pro Jahr. Dabei wird die Nachfrage nach schnellen und vor allem individuellen Lieferungen zunehmen und die Versandlogistik zusätzlich vor neue Herausforderungen gestellt werden.

Flexibler und schneller durch urbane Logistik

»Daran knüpfen wir an. Wir wollen unser Know-how als Logistikexperten nutzen und unsere Konzepte in die Smart Cities der Zukunft integrieren«, so Baur. So könnte die Swisslog-Software SynQ, die bereits weltweit in Lagern zu deren Verwaltung verwendet wird, in sogenannten Urban Distribution Centern eingesetzt werden. In den städtischen Lagern, die sich verschiedene Verkäufer teilen, kann produziert, gelagert und versendet werden.

Darüber hinaus wird an lokalen Lieferhubs gearbeitet, die wie große Paketboxen an zentralen Punkten in der Stadt, wie Großfirmen oder Universitäten, platziert sind und in denen Pakete abgeholt und wieder zurückgeschickt werden können. Völlig autonom, ebenfalls gesteuert von der Software SynQ.

Neue Konzepte mit Post-Projektpartnern

Swisslog-Experte Paul Douglas: »Die Idee ist, kleine Lager in größeren Städten aufzubauen, die die sogenannte Last-Mile-Zustellung übernehmen. Die sogenannten QTainer stehen dabei an wichtigen Knotenpunkten, an denen viele Menschen vorbeikommen und auch die Infrastruktur für die Belieferung gegeben ist.« QTainer sind somit kleine, mobile Lager in der Stadt, die nach Bedarf der Nachfrage positioniert und sogar erweitert werden können.

 

 

Marc Hasler, Leiter Produkte- und Marktentwicklung von PostLogistics, ist für das Thema City-Logistik bei der Schweizerischen Post verantwortlich: »Ansätze in der City-Logistik gibt es viele: Ein möglicher Ansatz befasst sich mit stationären oder mobilen Umschlagplätzen – sogenannten Hubs. An zentralen Stellen in Schweizer Städten werden Hubs eingerichtet und durch einen oder verschiedene Logistikdienstleister genutzt.“

Die Feinverteilung in der Stadt könnte – statt jeder Anbieter für sich – ein Logistikanbieter gesammelt vornehmen. „Ziel ist eine minimale Belastung des Straßennetzes und, trotz verkehrstechnischer Spitzenzeiten, eine flexible und schnelle Zustellung. Diesen Ansatz hat die Schweizerische Post im vergangenen Jahr bereits erfolgreich in Zürich getestet.“

Wichtig beim Thema Smart Cities: Es gibt kein Konzept, das in jeder Stadt der Welt auf dieselbe Art funktioniert. Klar ist aber immer: Jedes Konzept betrifft auch immer die Infrastruktur von Städten. Sie muss smart werden, um Städte vor allem auch in Zukunft lebenswert zu gestalten. Die City-Logistik ist hier ein zentrales Element. Denn eine Stadt lebt von ihren Bewohnern – und die müssen versorgt werden.

 

Quelle Bilder: iStock, johanson/Ronstik

Schreibe einen Kommentar