1.060 km in 40 Stunden – mit dem Rad quer durch Deutschland

Fast zwei Tage am Stück radeln: ohne Schlaf, ohne längere Pause und im Regen. Was für viele wie eine Tortur klingt, war für die beiden KUKA Mitarbeiter Andreas Rotunno und Michael Reitmayer ein lange geplantes Event. Zusammen mit 34 anderen Radlern haben die beiden 1.060 km quer durch Deutschland zurückgelegt. Und das an nur einem Wochenende.

Es ist mitten in der Nacht von Samstag auf Sonntag. Die Uhr im Hostel in Flensburg zeigt halb drei. Geschäftiges Treiben herrscht in den Zimmern von knapp 40 Radlern, die sich für eine große Tour vorbereiten. Es soll 1.060 km quer durch Deutschland von Flensburg nach Oberwössen in den Chiemgauer Alpen gehen. Der einzige Haken: Sie haben nur 40 Stunden Zeit.

Auf 40 Stunden Radtour hatten Andreas Rotunno und Michael Reitmayer Zeit für so manches Selfie

Doch von Anfang an: Andreas Rotunno und Michael Reitmayer sind schon lange begeisterte Radfahrer und beide Mitglied im Radsportverein. Als sie von der gigantischen Tour hörten, war für beide sofort klar: „Das machen wir.“ Schließlich dient das Ganze einem guten Zweck und soll Spenden für hilfsbedürftige Kinder einbringen. Nachdem Reitmayer seine Bewerbung als Erster abgeschickt hatte, stand Rotunno unter Zugzwang und bewarb sich auch sofort. Die Zusage zur Teilnahme erhielten beide dann gleichzeitig.

Vorbereitung ist das A und O

Zwei Monate vor dem Vorhaben begannen die beiden mit dem intensiven Teil der Vorbereitung. Alle zwei bis drei Wochen standen Touren von mehreren hundert Kilometern Länge an. Gefahren wurde immer über Nacht, um zu testen, wie der Körper sich bei Müdigkeit auf dem Rad verhält. Ein paar Mal trainierten die beiden auch schon, zwischen 40 und 50 Stunden wach zu bleiben. Denn das allein ist schon eine enorme Herausforderung für den Körper.

An einem Donnerstag im Juni wurde es dann ernst, denn es ging mit dem Bus nach Flensburg – dem Startort. Dort checkten die Radler noch mal ihr Equipment und packten die wichtigsten Sachen in Verpflegungsboxen. Wichtig war dabei nicht nur, was in die Boxen kommt, sondern auch wie. Vorgesehen waren während der Tour im Abstand von zwei Stunden immer abwechselnd eine fünf- und eine zehnminütige Pause, die jeweils minutengenau abgezählt wurde.

Wenig Zeit zum Suchen also. Der Inhalt der großen Plastikbox musste beschriftet sein und akribisch geordnet. Die Boxen wurden während der Tour von Begleitfahrzeugen mittransportiert und rechtzeitig am richtigen Standort für die knapp bemessenen Pausen hergerichtet.

Acht Stunden Regen sorgten für erschwerte Bedingungen…

Knapper Zeitplan

Samstagmorgen: Alle Boxen waren verladen und die Radler standen bereit. Um Punkt 4:30 Uhr radelten die Teilnehmer los. Nachdem ein Filmteam des NDR die Abfahrt begleitet hatte, lief immerhin eine Stunde lang alles nach Plan. Dann begann es zu regnen – für acht Stunden. Die Temperaturen lagen in der Spitze bei 12° C und nachts bei gerade mal 5° C. Der Stimmung unter den Radlern tat das keinen Abbruch: „Davon können wir noch unseren Enkelkindern erzählen“, meint Reitmayer.

Bis Leipzig verlief die Tour weitgehend im Zeitplan. Dort sollten die Komplikationen aber dann beginnen: regennasse Fahrbahnen, Kopfsteinpflaster, Straßenbahnschienen, Ampeln und Baustellen. Fast eine Stunde ging hier verloren. Wie sollte man dann noch den Zeitplan einhalten, der – nach der Gesundheit der Teilnehmer – das Allerwichtigste war? Am Sonntagmorgen war schließlich klar, dass es unmöglich klappen konnte. Die Organisatoren spielten alle möglichen Szenarien durch, um doch noch pünktlich an den Zielort zu kommen. Letztendlich einigte man sich darauf, die Teilnehmer in Gruppen mit den Begleitfahrzeugen einige Kilometer weiter zu transportieren und wieder abzusetzen.

Das Ziel erreicht

…taten jedoch der Laune der Radler keinen Abbruch.

So schaffte es die komplette Truppe doch noch, pünktlich am Sonntagabend um 20:30 Uhr in Oberwössen anzukommen. Mehrere hundert Menschen standen Spalier, um die Radler unter tosendem Applaus zu empfangen. „Mir war das zuvor gar nicht bewusst, dass da so viele Leute warten“, erinnert sich Reitmayer. Und wie geht es einem nach einem derartigen Radl-Marathon? Rotunno grinst. „Außer leichten Rückenschmerzen ging es mir wirklich gut. Ich habe mich auch am nächsten Tag schon wieder auf das Radl gesetzt.“

So geht es weiter

Für das Jahr 2020 ist eine ähnliche Tour geplant. Möglicherweise wird es eine Fahrt von München nonstop nach Rom geben, um dort eine Audienz beim Papst zu erhalten. Auch Rotunno und Reitmayer wollen wieder mit dabei sein, um Spenden für den guten Zweck zu sammeln.

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