Apfel, Aprikose oder Birne – der KUKA „Po-Boter“ im Einsatz

Ob die Form eines Apfels, einer Aprikose oder Birne – beim menschlichen Po ist die Variantenvielfalt groß.  Umso schwieriger ist es, für die verschiedensten Varianten einen Sitz herzustellen, der für jeden bequem ist und selbst den längsten Autofahrten standhält.

Haben Sie sich jemals gefragt, warum Autositze so robust sind? Die Antwort: Weil sie so lange getestet werden, bis sie perfekt sind. Aber wie geschieht das? Natürlich könnte man Mitarbeiter mit den unterschiedlichsten Gesäß-Formen damit beauftragen, den Sitz so lange zu testen, bis erste Verschleißerscheinungen auftreten. Man kann aber auch die effiziente Variante wählen und das monotone Testen dem Experten in dem Gebiet der monotonen Arbeit überlassen: dem Roboter. Genau das geschieht in den Ford-Werken in Merkenich bei Köln. Zwei KUKA Roboter testen die neuen Ford Autositze rund 25.000 Mal anhand unterschiedlichster Belastungsprofile beim Ein- und Austeigen. Das brachte ihnen den Spitznamen „Po-Boter“ ein.

Der Autositz: Kontaktstelle zwischen Mensch und Auto

Wenn es um den Sitzkomfort seiner Kunden geht, nimmt es der amerikanische Automobilhersteller Ford besonders genau. Werden neue Sitze entwickelt, müssen sich diese einem strengen Qualitätstest unterziehen. Wenn wir uns ins Auto setzen, vermittelt uns der Sitz vom ersten Moment an das Gefühl von Komfort und Qualität und ist damit  die größte Kontaktstelle zwischen Mensch und Fahrzeug. Daher gehören Autositze zu den am häufigsten getesteten Bauteilen.

Die große Herausforderung besteht darin, die Sitze und den gesamten Vorgang umfassend unter die Lupe zu nehmen. Wie steigen die Menschen in ihr Auto ein? Welche Kräfte entstehen dabei? Wie wirken Größe und Statur der Fahrer auf Sitze und Material? Diese Fragen beantwortet der Automobilhersteller in einem vollautomatisierten Prozess. Ford simuliert dabei die Nutzung der Sitze mit einem KUKA Roboter aus der KR QUANTEC-Baureihe. An dessen Roboterarm ist der Dummy OccuForm befestigt, der den Autositz belastet und die Berührungspunkte und die Kraft-/Wegverläufe aufzeichnet – das gesamte System heißt KUKA OccuBot.

 Der KUKA OccuBot steigt in drei Wochen 25.000 Mal ein und aus

Das neu eingerichtete Sitz-Testlabor mit zwei KUKA Robotern bietet im  Entwicklungszentrums die Möglichkeit, alle Tests gebündelt an einem Ort und hausintern durchzuführen.Um einen möglichst umfassenden Qualitätstest durchführen zu können, analysiert Ford zunächst, wie Menschen in Autos ein- und aussteigen. Dazu zeichnen Druckmatten, die auf die Sitze aufgelegt werden, detaillierte Informationen auf. Jeder Mensch belastet einen Autositz auf andere Art und Weise, daher muss der Sitz für jede Po-Form passen – egal ob Apfel, Aprikose oder Birne.

Zehn Jahre lang Ein- und Aussteigen

Die so gewonnenen Datenbilder werden schließlich mit dem KUKA Roboter nachgebildet, der den Dummy anhand der ermittelten Daten mit seinem Greiferaufsatz in den Sitz drückt. Sprich: Der KUKA OccuBot simuliert in der rund dreiwöchigen Testphase intensiv verschiedene Belastungsszenarien und der Dummy steigt ca. 25.000 Mal ein und aus. So kann in verhältnismäßig kurzer Zeit eine Abnutzung einer zehn Jahre langen Beanspruchung simuliert und analysiert werden. Wenn der Sitz diesen Tests standhält und keine starken Beschädigungen oder Änderungen der Kontur aufweist, gehen die Sitze in Produktion und sind selbst für die längsten Autofahrten gerüstet.

Das Testverfahren wurde bereits auf alle neuen Fahrzeuge in der europäischen Produktion nach dem Motto „smarte Fahrzeuge für eine smarte Welt“ ausgeweitet. Dabei steht die Qualität der Produkte immer an erster Stelle. Ford plant daher die Ausweitung der Robotertestanwendung. Es gibt bereits Pläne für Dauertests an Klappen, Schaltern und Türen – natürlich mit roboterbasierter Unterstützung.

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