Formula E race cars

Allan McNish – ehemaliger Formel-1-Fahrer – über die Faszination der Formel E

James Wang, CEO von KUKA in China, traf den ehemaligen Formel-1-Piloten, Weltmeister, dreimaligen Le-Mans-Sieger und technischen Experten in der Formel E Allan McNish auf der Formel E-Rennstrecke in Hongkong. James Wang erhielt von dem Formel-E-Experten Einblicke in die  Technologie, die die Formel-E-Rennwagen so schnell und effizient macht – und schlussendlich über Sieg oder Niederlage entscheidet.

James Wang: Herr McNish, es freut mich, Sie kennen zu lernen. Können Sie mir sagen, worin der technische Unterschied zwischen den Formel-E-Rennwagen liegt?

Allan McNish: Das Auto besteht im Wesentlichen aus zwei Hauptbestandteilen. Der eine Bestandteil ist für alle Hersteller gleich: das Gehäuse und die Batterie. Der andere Bestandteil ist teamabhängig. Das Team Audi ABT Schaeffler ist für die gesamte Entwicklung der Elektromotoren, des Getriebes und der Hinterradaufhängung verantwortlich. Schlussendlich also für den elektrischen Antriebsstrang, der für die Leistungsentfaltung sorgt. Wir arbeiten hier an mehreren Leistungsmerkmalen: Eines davon ist, Gewicht und Größe zu reduzieren. Das ermöglicht uns eine maximale Beschleunigung bei geringerer Masse. Ideal also für die Energienutzung.

James Wang: Das ist also der Schlüssel, um Formel-E-Rennwagen noch schneller zu machen.

Allan McNish: Genau. Dazu kommt die Rückgewinnung von Energie. In der Bremsphase kann Energie in die Batterie zurückgeführt werden. In Mexiko war das ausschlaggebend, als wir auf den letzten Metern gewonnen haben. Als Lucas Di Grassi überholte, haben wir etwa 35 % der Energie zusätzlich aus der Batterie gewonnen. So nutzt man zum einen die Energie der Batterie und on Top 35 % Extraenergie. Das ist auch ein Bereich, in dem wir viel entwickeln.

James Wang: Das ist fantastisch! Bekommt der Fahrer diese Informationen direkt während des Formel-E-Rennens, um sein Energiemanagement besser einschätzen zu können?

Allan McNish: Ich war selbst ein Rennfahrer. Ich weiß also, dass das Feedback für die Fahrer sehr wichtig ist. Es ist genau wie bei KUKA. Bei der Entwicklung von Automatisierungslösungen muss alles absolut präzise sein. Die Fahrer müssen sowohl beim Kurs auf der Rennstrecke, als auch beim Energiemanagement sehr präzise sein. Wir haben nur 52 Kilowattstunden Energie. Deshalb setzen wir uns vor jedem Rennen zusammen, um mit den Fahrern die Strategie zu entwickeln – wann sie schnell und wann sie langsam fahren müssen. In der Regel hat jeder Fahrer vor jedem Rennen 3 Tage Zeit die Stecke im Simulator zu studieren. Im Anschluss treffen wir uns mit den Fahrern, um deren Feedback einzuholen und dieses technisch durchzusprechen. Einiges davon ist reine Technik – einiges davon liegt im Gefühl des Fahrers.

James Wang: Erfahrung ist also ein sehr wichtiger Teil.

Allan McNish: Sie ist der Schlüssel. Danach geht´s ab in das freie Training. Es ist das erste Mal, dass wir mit voller Leistung fahren können. Wir sind zu diesem Zeitpunkt in der Lage abzuschätzen, wie unsere Simulation ablief und basierend darauf unsere Strategie weiterzuentwickeln.

Formel E Entwicklungsteam bei der Arbeit
Formel E Entwicklungsteam bei der Arbeit

James Wang: Ich glaube, dass der Fahrer eine entscheidende Rolle für den Erfolg des Rennens spielt. Welcher Teil des Rennwagens ist aus technischer Sicht essentiell, um das Rennen zu gewinnen?

Allan McNish: Sie kennen Ihre Automatisierungslösungen. Die Umsetzung, die mechanische Lösung, die Software und auch die Softwareentwicklung sind entscheidend für die Automatisierungslösung. Für uns gilt genau dasselbe. Alles ist wichtig. Den Fokus legen wir allerdings besonders stark auf den Bereich des Elektromotors und seiner Entwicklung. Im Vergleich zum Vorjahr, als wir die Meisterschaft gewonnen haben, wurden 95 % des Elektromotors erneuert.

James Wang: 95 Prozent, damit wurde er ja nahezu vollständig erneuert?

Allan McNish: Richtig, und on Top sogar noch um zehn Prozent leichter gemacht. Ich denke, von einem technischen Standpunkt aus gesehen, wissen Sie genau, wie schwierig es ist, das Gewicht zu reduzieren und gleichzeitig die Stärke und Zuverlässigkeit zu bewahren. Hier liegt für uns ganz klar der Fokus. Aber ich glaube fest daran, dass die Menschen den Unterschied machen: Die Menschen entwerfen die Software, sie entwerfen die Hardware und bringen ihre Philosophie und Arbeitsweise ein, um ein Auto zu entwickeln, das sich in seinen Einzelteilen perfekt ergänzt, um dann schlussendlich perfekt auf den Fahrer abgestimmt zu sein.

James Wang: Sind die Spezifikationen für Rennwagen völlig anders als bei Fahrzeugen die auf der Straße unterwegs sind oder gibt es irgendwelche Gemeinsamkeiten?

Allan McNish: Wir stellen hier viele Gemeinsamkeiten fest. Als wir den Audi e-tron in Hongkong zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorgestellt haben, wurde ich nach Ähnlichkeiten zwischen dem e-tron Rennwagen und dem e-tron Straßenfahrzeug befragt. Im Rennwagen speist du die Energie durch Regeneration ein. Wenn man vom Gas geht, regeneriert man automatisch Energie. Wenn man bremst, führst man automatisch Energie zurück. Aber auch der Fahrer des Straßenfahrzeuges hat ein Pedal, mit dem er manuell Energie zurückführen kann. Diese Philosophie wurde bereits beim Audi e-tron umgesetzt. Man kann aufs Gas gehen, man kann bremsen und das Auto mittels manueller Regeneration fahren. Dies wird von einem sogenannten „Break by Wire“ unterstützt. Für unser Le Mant Auto wurde eigens ein elektronisches Break-by-Wire-System entwickelt. Der e-tron ist das erste Serien-Elektroauto mit Break-by-Wire-System. Es wurde integriert, weil Audi die Vorteile, die wir aus dem Rennsport gewonnen haben, erkannt hat.

James Wang: Sind die Autos der Audi ABT Schaeffler Piloten Daniel Abt und Lucas Di Grassi exakt gleich? Sind sie speziell für den einzelnen Fahrer entwickelt und auf dessen Präferenzen abgestimmt?

Allan McNish: Es ist im Grunde genommen das gleiche Auto, aber jeder Fahrer hat ein wenig andere Vorlieben. Das ist der Grund, warum es, wenn es um die Fahrwerksausrichtung geht, etwas abweicht. Der eine mag die Vorderseite ein wenig schärfer, der andere mag sie ein wenig stabiler. Die Lap Time ist jedoch identisch. Software und Elektronik sind im Grunde genommen ebenfalls gleich. Weil Effizienz, Effizienz und Antrieb, Antrieb bleibt.

James Wang: Kontinuierliche Verbesserung ist also der Schlüssel. Wie erreichen Sie Ihre Ziele und werden Sie immer besser?

Allan McNish: Unser Business ist fast das gleiche – wir streben immer nach Exzellenz, wir wollen immer die Besten sein.

James Wang: Vielen Dank für das Gespräch!

Hinter der Entwicklung der ersten rein elektrischen Rennserie Formel E steht der Wunsch nach nachhaltiger Mobilität. Sie dient als „Spielwiese“ für Autobauer und Zulieferer. Erfahren Sie mehr über die Formel E – Die neue Ära des Motorsports.

Gerade in der Elektromobilität ist der Bedarf an Energiespeicherung von höchster Bedeutung. Erfahren Sie mehr zur Batterie, dem Herzstück eines Elektrofahrzeugs.

Schreibe einen Kommentar