Im 500-Euro-Auto quer durch Europa

3750 Kilometer über steile Alpen- und Pyrenäenpässe, entlang atemberaubender Küstenstrecken, durch die Weiten der trockenen und staubigen Ebenen Nordspaniens bis zur Metropole am Meer: Zwei KUKAner wagten sich vorletzten Sommer an ein Abenteuer und fuhren im Rahmen einer „Off-the-beaten-track-rallye“ mit einem 24 Jahre alten Volvo 850 von München bis Barcelona.

Sören Papsdorf und Youssef Ben-Abdelafou sind beide im Bereich Production Engineering bei KUKA tätig. Die Abteilung entwickelt Montagekonzepte und plant die Serienmontage von neuen Produkten, wie mobilen Robotern. Papsdorf arbeitet seit 2002 bei KUKA, Ben-Abdelafou startete 2011 im Unternehmen – und so lernten die beiden sich kennen. In der Arbeit teilen sie sich ein Büro, aber auch privat sind sie gute Freunde. Mit Papsdorfs Schwager Benjamin Heller kamen sie auf die Idee, an der „Rallye München-Barcelona“ teilzunehmen.

Der Weg ist das Ziel

Zusammen mit 124 anderen Teams machten sie sich Ende Juli 2017 auf den Weg. Hauptziel der Rallye ist es nicht, am schnellsten zu sein, sondern seinen Wagen überhaupt bis ins Ziel zu bekommen. Das ist schwierig genug, denn gefahren wird nur über Nebenstraßen – höchst anspruchsvolle Strecken für Fahrer und Autos. Hinzu kommt, dass die Autos maximal 500 Euro in der Anschaffung kosten dürfen. Das erhöht den Reiz und schafft Chancengleichheit. Konkurrenzdenken sucht man bei der „Off-the-beaten-track-rallye“ aber sowieso vergeblich. Alle Teams möchten gemeinsam ins Ziel kommen.

Im Vorfeld hatten die beiden KUKAner mit ihrem Teampartner den Volvo alias „Spruce Moose“ für die Strapazen auf der Strecke aufgerüstet. Sie investierten in Ersatzteile und steckten rund 200 Arbeitsstunden in das Auto, bis es den Anforderungen gewachsen war. Sie erneuerten Verschleißteile, bauten einen Unterbodenschutz und ein Schlechtwegefahrwerk ein und setzten auf ein Motorradnavigationssystem. „Einige Teams hatten viel Erfahrung und waren super vorbereitet. Andere kamen vollkommen blauäugig und unvorbereitet und waren auf die Hilfe anderer angewiesen, gerade wenn es um Ersatzteile oder ums Schrauben ging“, erzählt Papsdorf.

Der Weg nach Barcelona wurde in sieben Etappen geteilt. Dabei konnte jedes Team die Strecke selbst wählen – der einzige Pflichttermin war das Fahrerbriefing an jedem Morgen. Denn erst dort wurde der exakte Standort des Treffpunktes am nächsten Tag bekannt gegeben. Außerdem erhielten die Teilnehmer Routenempfehlungen und Informationen über besonders schöne Orte auf der Strecke. „Für mich war das Morgen-Briefing einer der größten Highlights des Tages. Es fand immer an gut ausgewählten, abgelegenen Orten mit einem besonderen Ausblick statt. Beeindruckend war der Kontrast zwischen absoluter Stille und dem kurzen Moment, in dem 125 brummende Motoren diese Stille durchbrechen. Das erinnerte an brüllende Löwen am frühen Morgen auf Safari“, erinnert sich Ben-Abdelafou.

Die erste Etappe ging über eine 700 Kilometer lange Route von München bis Arona in Norditalien. Am darauf folgenden Tag fuhren die drei weiter über die Seealpen und den höchsten asphaltierten Alpenpass, Col de la Bonette, aber auch über unbefestigte Strassen und Schotterpisten nach Antibes an der Côte d’Azur. Anschließend führte die Route an der französischen Mittelmeerküste entlang in die stürmische Camargue zum Rallye Camp in einem alten Salinengebiet, zu dem man nur nach Koordinaten finden konnte. Dort zelteten alle Teilnehmer für eine Nacht gemeinsam auf einer großen freien Fläche mitten im Nirgendwo, im Windschatten ihrer Autos.

Das Rallye-Team um Sören Papsorf und Youssef Ben-Abdelafou auf dem höchsten asphaltierten Pass der Alpen, dem Col de la Bonette.
Das Rallye-Team um Sören Papsorf und Youssef Ben-Abdelafou auf dem höchsten asphaltierten Pass der Alpen, dem Col de la Bonette.

An jedem Tag gab es eine Tagesmission, die per Foto auf Facebook dokumentiert wurde. Am vierten Tag, auf dem Weg aus der Camargue nach Spanien, sollte ein Teamfoto mit einem französischen Polizisten geschossen werden. „Youssef hat dann einen durch leichtes zu schnell Fahren aus dem Gebüsch gelockt. Das hat uns zwar 90€ gekostet, aber er hat sich überreden lassen, ein Bild mit uns und seiner Laserpistole zu machen“, erzählt Papsdorf.

Mit Teamwork Pannen trotzen

Auf ihrer fünften Etappe scheuerten sich die Abenteurer von Andorra nach Pamplona den Ölfilter durch. Mit provisorischen Reparaturmaßnahmen fuhren sie noch fünf Kilometer über den Pass und ließen das Auto dann 21 Kilometer mit ausgeschaltetem Motor ins Tal rollen. „Als ob das nicht schon gereicht hätte, hatten wir auf dem Weg nach unten eine Reifenpanne“, erinnert sich Papsdorf. Abdelafou begab sich mit einem anderen Team auf die Suche nach einer Werkstatt, andere Rallyeteilnehmer schleppten das kaputte Auto dorthin ab.

Glück im Unglück: Erst am nächsten Tag erfuhren sie, dass das Abschleppen durch Privatpersonen in Spanien verboten ist und mit 500 Euro Geldbuße geahndet wird. Der vorletzte Streckenabschnitt führte über staubige Nebenstraßen durch menschenleere Ebenen mit verfallenen Häusern und kleinen Dörfern in sengender Hitze nach Teruel. Am letzten Rallyetag fuhr das Team streckenweise asphaltierte Strassen, um das Risiko einer Reifenpanne auf Schotterstrecken zu minimieren. An einer Raststätte außerhalb Barcelonas trafen sich die verbliebenen Teams – zehn der ursprünglich 125 Autos scheiterten an der Strecke. Gemeinsam führte sie die letzte Etappe durch Barcelona zum finalen Treffpunkt am Meer.

„Das Ganze war sehr viel anstrengender und stressiger, als wir das geglaubt hatten. Jeden Tag saßen wir zwischen 12 und 14 Stunden im Auto. Ein Streckenabschnitt war im Schnitt 500 Kilometer lang“, erklärt Papsdorf, „Aber ich würde es nochmal machen. Der Weg ist tatsächlich das Ziel. Man erlebt immer wieder neue Eindrücke, hinter jeder Kurve ist etwas Neues. Zum Teil waren wir in Gegenden, da würde sich kein Urlauber hin verirren.“ Auch Ben-Abdelafou erinnert sich gern an das Abenteuer zurück: „Obwohl wir wenig Zeit für Sightseeing und längere Pausen hatten, hat die Rallye meine Neugier geweckt, Europa genauer zu entdecken. Ich weiß ein paar Geheimtipps für tolle Urlaube mit meiner Familie und teile dieses Wissen gerne mit meinen Kollegen.“

Sie fanden das war eine außergewöhnliche Geschichte? Dann lesen Sie im Beitrag „Zwischen Augsburg und dem Himalya: Eine KUKA Hilfsaktion auf dem Dach der Welt“ wie zwei KUKAnerinnen für eine Hilfsaktion mit dem Fahrrad über die höchsten befahrbaren Pässe der Welt fahren.

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