„Ganz Europa wird in dieser Woche auf Augsburg schauen.“

Robotik und künstliche Intelligenz: Jedes Jahr im Herbst geht es während der Europäischen Roboterwoche (ERW) darum, roboterbasierte Automatisierung mit all seinen Facetten in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken. Zahlreiche Firmen, Institute und Organisationen beteiligen sich auch an der achten ERW, rund 1.000 Veranstaltungen sind in ganz Europa geplant. Und zum ersten Mal schlägt das Herz der ERW, die zentrale Eröffnungsveranstaltung, in Augsburg. Wir haben mit euRobotics Präsident Dr. Bernd Liepert über die Erwartungen an die ERW gesprochen und was Römer und Robotik gemeinsam haben.

Herr Dr. Liepert, wie würden Sie einem Laien erklären, was die ERW ist?

Oftmals umfasst die Volksmeinung zur Robotik vier Punkte: Roboter schweißen Autos zusammen, es gibt Staubsaugerroboter, Japan ist führend bei den humanoiden Robotern und Roboter nehmen uns Arbeitsplätze weg. Die ERW soll zu einer differenzierteren Meinung beitragen. Ziel der Woche ist es, der allgemeinen Öffentlichkeit das Thema Robotik näher zu bringen und Ängste zu nehmen. Bei über 1.000 Veranstaltungen in ganz Europa werden insgesamt 80.000 Besucher erwartet. Bei Vorträgen, Workshops, Hackathons, Schulungen, Führungen und vielem mehr können sich Teilnehmer ihr eigenes Bild von Zukunftsthemen machen.

Und welche Aufgaben bekleidet dabei euRobotics?

euRobotics ist ein in Brüssel ansässiger gemeinnütziger Verband für alle Interessensgruppen der europäischen Robotik. Der Verband regt den Austausch zwischen Vertretern aus Forschung und Industrie an und hält engen Kontakt zu allen weiteren Interessensgruppen, vor allen Dingen Politik und Medien. Dazu dient auch das European Robotics Forum (ERF), neben der ERW die zweite große jährlich wiederkehrende Veranstaltung von euRobotics.

Ziel der European Robotics Week ist es, das Thema Robotik in die Öffentlichkeit zu bringen, Vorbehalte abzubauen und die Menschen mit neuen Technologien vertraut zu machen.
Ziel der European Robotics Week ist es, das Thema Robotik in die Öffentlichkeit zu bringen, Vorbehalte abzubauen und die Menschen mit neuen Technologien vertraut zu machen.

Auf welchen Programmpunkt freuen Sie sich am meisten und was erwarten Sie sich von der diesjährigen ERW?

Ich freue mich riesig auf die Auftaktveranstaltung in Augsburg, wenn hochrangige Politiker ihr Interesse an der Robotik im Allgemeinen und an der ERW im Besonderen zeigen und vorbeikommen. Dadurch wird die öffentliche Wahrnehmung für diese Themen noch größer werden, und natürlich erwarte ich, dass dadurch noch mehr Menschen mit der Robotik in Berührung kommen und ein positives Bild gewinnen: Robotik und künstliche Intelligenz ermöglichen ein höheres Maß an Lebensqualität für jeden einzelnen und für die Gemeinschaft.

Sie haben gerade die Auftaktveranstaltung erwähnt. Was hat euRobotics dazu bewogen, das Eröffnungsevent der ERW 2018 nach Augsburg zu vergeben?

Der Verband wählt jedes Jahr eine andere europäische Stadt als Veranstaltungsort für die zentrale Eröffnungsveranstaltung aus. Wichtig für die Auswahl sind sowohl die Lage der Stadt als auch ihre Bedeutung in der europäischen Robotik-Community. Die Wahl fiel auf Augsburg, weil die Fuggerstadt, eingebettet in den Wirtschaftsraum Bayern, Tradition und Innovation verbindet und Heimat zahlreicher Technologieunternehmen ist.

Im Gespräch mit Dr. Bernd Liepert, euRobotics Präsident und CIO der KUKA.
Im Gespräch mit Dr. Bernd Liepert, euRobotics Präsident und CIO der KUKA.

Welche Aspekte der ERW sind sowohl für die Stadt Augsburg als auch für die Robotikszene wertvoll?

Das Motto der ERW-Auftaktveranstaltung „Robotics for you“ spiegelt sich in der Ausstellung „Von den Römern zur Robotik“ im Zeughaus wider, welche die Geschichte Augsburgs mit der Moderne verbindet. Die Stadt hat mit den Römern, den Fuggern und Welsern im Mittelalter und der Textilindustrie einen hohen Bekanntheitsgrad, Wirtschaft und Industrie haben die Stadt seit jeher geprägt. Ganz Europa wird in dieser Woche auf Augsburg schauen. Es wäre toll, wenn Augsburg durch die Veranstaltung motiviert würde, noch mehr in die Robotik zu investieren und damit zu einem „Robot Valley“ werden könnte, in dem sich zahlreiche Technologieunternehmen aus Automatisierung und Digitalisierung ansiedeln würden, eng verbunden mit einer starken Forschung.

Welche Punkte prägen die Zukunft der Robotik in Deutschland und Europa?

Europa steht für Vielfalt – das ist in der Robotik nichts anders. Europa ist stark in vielen Technologiefeldern, die für die Robotik wichtig sind, vor allen Dingen in der Mechatronik und der künstlichen Intelligenz. Europa ist im Bereich der Robotik auch stark darin, Ideen in Produkte umzusetzen und entlang der gesamten Wertschöpfungskette zusammenzuarbeiten, von der Forschung über den Technologielieferanten und Roboterhersteller bis zum Endanwender. Nirgendwo auf der Welt gibt es so viele starke neu gegründete Unternehmen.

Um die begrenzten Ressourcen bestmöglich zu nutzen, haben wir als euRobotics Verband vier Anwendungsfelder als Eckpfeiler der europäischen Robotik definiert:

  • Gesundheitswesen (Healthcare),
  • agile Fertigung (Agile Production),
  • Landwirtschaft und Ernährung (Agri-food) sowie
  • Wartung und Inspektion (Inspection and Maintenance).

Wieso genau diese Themenbereiche?

Wir haben diese Anwendungsfelder ausgewählt, weil sie eine hohe gesellschaftliche Relevanz haben und weil eine finanzielle und thematische Fokussierung eine große positive Wirkung für unsere Gesellschaft erwarten lässt.

Allen vier Feldern ist gemein, dass sie Lösungen für die globalen Megatrends unserer Zeit erfordern:

  • demographischer Wandel,
  • Umweltschutz und Nachhaltigkeit sowie
  • den Bedürfnissen nach mehr Individualität.

So erwartet eine älter werdende Bevölkerung eine qualitativ hochwertige, auf den einzelnen angepasste und gleichzeitig kostengünstige medizinische Versorgung für ein langes selbstbestimmtes Leben. Eine flexible Produktion soll immer kostengünstiger werden und den Fachkräftemangel ausgleichen. Das gilt für alle Produkte, auch für Nahrungsmittel. Die Umwelt soll durch Vermeidung von Abfällen und Recycling, eine energieeffiziente Produktion und durch gezielten, bis hin zur einzelnen Pflanze hin optimierten Einsatz von Düngemittel geschont werden. Nicht zuletzt soll eine roboterbasierte Automatisierung dazu beitragen, dass kritische Infrastrukturen, wie Brücken, Gebäude, Stromtrassen und Kanalisation, engmaschiger überwacht und gewartet werden.

Sie wollen mit uns in die Welt der Robotik eintauchen? Hier finden Sie alle KUKA Aktionen und Events zur European Robotics Week.

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