Sensitive Roboter unterstützen immer mehr Mitarbeiter im Arbeitsalltag.

Ein Cobot für mich

Bisher waren Roboter vor allem schwere Industriemaschinen, die hinter Fabrikzäunen monoton vor sich hin arbeiteten. Doch die Zukunft gehört einer flexibleren, intelligenteren Generation: Dem sensitiven Roboterassistenten, der uns im Alltag hilft. Und Unterstützung haben wir in einigen Bereichen dringend nötig.

»Hast du schon so ein Handy?« Noch vor 15 Jahren wurde diese Frage meist mit einem Kopfschütteln beantwortet. Zu teuer, zu unhandlich, zu wenige Funktionen. So komisch sich diese Reaktion heute für uns anfühlen mag, so realistisch ist es, dass es uns zukünftig bei der Frage: »Hast du schon so einen Cobot?« genauso gehen wird. So zumindest könnte es sich Dr. Albrecht Hoene, F&E-Direktor für Mensch-Roboter-Kollaboration der KUKA vorstellen: »Sensitive Roboter, die direkt mit dem Menschen interagieren können, nehmen eine wichtige Rolle ein. Sie helfen uns, die Herausforderungen der Zukunft zu meistern.«

Die Bewohner von Industrienationen wie Deutschland werden immer älter. In Japan, Italien und Deutschland beispielsweise liegt der Anteil an den über 65-Jährigen bei mehr als 20 Prozent. Und die Prognosen sehen eine zunehmende Alterung voraus: Lag der Altersmedian der Weltbevölkerung in 2015 noch bei 29,6 Jahren, werden für das Jahr 2100 schon 49,2 Jahre vorhergesagt. Welche Auswirkungen hat es, dass sich die Lebenserwartung Neugeborener in den letzten hundert Jahren nahezu verdoppelt hat, bei gleichzeitig sinkenden Geburtenzahlen?

Der Roboter für den Menschen

Vor allem in der Arbeitswelt wird der demografische Wandel deutlich: Es gibt immer mehr ältere Menschen und immer weniger junge Fachkräfte. Mensch-Roboter-Kollaboration (MRK) ist hier der Schlüssel und wird helfen, in Zukunft den Arbeitsalltag zu meistern. Dabei werden die Stärken des Roboters und die Fähigkeiten des Menschen kombiniert. »MRK ermöglicht es, Menschen ihre Arbeit zu erleichtern und sie damit länger im Job zu behalten«, so Hoene. Besonders für Tätigkeiten, die unangenehm, ergonomisch ungünstig oder monoton sind, ist ein Roboterassistent nützlich. Wie zum Beispiel in der Montage, wo der Roboter als intelligente Hebehilfe unterstützen kann. Aber auch außerhalb der Arbeitswelt brauchen wir dringend Unterstützung. Denn wir werden älter und gebrechlicher – die alternde Gesellschaft stellt das Gesundheitswesen auf eine harte Probe.

Sensitive Roboter unterstützen immer mehr Mitarbeiter im Arbeitsalltag.
Sensitive Roboter unterstützen immer mehr Mitarbeiter im Arbeitsalltag.

Effizientere Krankenhäuser – mehr Zeit für Patienten

»Wir stehen vor globalen Herausforderungen im Gesundheitsbereich«, sagt Stephan Sonderegger, CEO von Swisslog Healthcare. »Alle Bereiche der Branche sind im Umbruch«. Es gibt immer weniger Fachpersonal für immer mehr Patienten, gleichzeitig sind die gesetzlichen Vorgaben hoch. Krankenhäuser müssen Kosten senken und effizienter wirtschaften. Das bedeutet, den Aufenthalt der Patienten zu verkürzen und gleichzeitig Qualität beizubehalten. Dabei könne Automatisierung logistisch unterstützen, sagt Sonderegger. Durch die effizientere Arbeitsteilung können sich die Mitarbeiter vollständig auf die Patienten konzentrieren, die Pflegequalität wird besser.

»Unsere Lösungen beziehen sich auf die komplette Wertschöpfungskette im Bereich des Medikamentenmanagements, der Medication Supply Chain.« Swisslog hilft Krankenhäusern und Einrichtungen des Gesundheitswesens dabei, Materialtransporte und Medikamentenmanagement effizienter zu gestalten. Medikamente werden automatisiert gelagert, bereitgestellt und ausgegeben. Der ursprünglich sehr zeitaufwendige und vor allem fehleranfällige Prozess des Arzneimittelmanagements wird deutlich verbessert. So wird sichergestellt, dass jeder Patient das richtige Arzneimittel in der richtigen Dosis erhält.

Exakte Positionierung von Patienten dank Roboterassistenz
Exakte Positionierung von Patienten dank Roboterassistenz

Lebensabend zu Hause statt im Seniorenheim

Ebenso unvermeidlich und unbeliebt wie das Krankenhaus ist für viele ältere Menschen das Leben in einer Pflegeeinrichtung. Sie wollen in ihrer bekannten Umgebung alt werden, selbst wenn sie körperlich nicht mehr ganz fit sind. »Menschen länger in ihrer gewohnten Umgebung belassen, das sogenannte Home Assisted Living, ist ein wichtiges Thema für die Zukunft«, sagt Michael Otto, Vice President Competence Center Medical Robotics bei KUKA. Assistenzsysteme können das ermöglichen. Sie unterstützen Pfleger und Ärzte, aber auch den Patienten in den eigenen vier Wänden. So könnte eine intelligente, mobile Gehhilfe Stürze vermeiden helfen und eine wichtige Stütze beim Aufstehen und Hinsetzen bieten. Demenzkranken Menschen könnte zusätzlich eine Navigationsfunktion helfen, länger selbständig zu Hause zu leben.

Aber wie gehen die Menschen mit den Robotern um? Denn im Gegensatz zu Industrienationen wie Japan, wo Pflegeroboter bereits Patienten aus den Betten heben, oder Tierroboter im flauschigem Fellüberzug mit Heimbewohnern kuscheln, steckt Pflegerobotik hierzulande noch in den Anfängen. Michael Otto ist optimistisch: »Die Akzeptanz für Assistenzsysteme wird größer – man bietet einen Assistenten, keinen Ersatz.«

Um die Entwicklung voranzutreiben, sind Technologiepartnerschaften gerade in den Bereichen Pflege und Reha entscheidend. So entstand zum Beispiel ROBERT®, ein robotisches Rehabilitationsgerät, das bei der Mobilisierung von bettlägerigen Patienten unterstützt. Dabei hilft es dem Physiotherapeuten, indem es bei körperlich schweren und wiederkehrenden Übungen unterstützt.

Kleinere Eingriffe, schnellere Heilung dank roboterassistierten Operationen

Die klassische Medizinrobotik ist da schon einen großen Schritt weiter. Die Roboterassistenten kommen bereits erfolgreich bei Tumorbehandlungen, in der Bildgebung oder bei Operationen zum Einsatz. »Wir unterstützen mit unserer Technologie täglich bei 1.500 Tumor- und Krebsbehandlungen, bei 2.000 Herzkatheter-Untersuchungen und begleiten aktuell mehr als 120 klinische Studien mit unserer Robotertechnologie«, sagt Otto. Die robotischen OP-Assistenten helfen dabei, chirurgische Eingriffe minimalinvasiv durchzuführen – das bedeutet kleinere Wunden und schnellere Heilung.

Das Deutsche Ärzteblatt beschäftigte sich 2016 in einem Artikel mit den Entwicklungen in der roboterassistierten Chirurgie. »Für die meisten Anwender gibt die Roboterassistenz letztlich dem minimalinvasiven Operieren die Vorteile des offenen Zugangs zurück«, schreibt das Fachblatt der Bundesärztekammer und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. »Die Kamera erlaubt zudem eine bis zu zehnfache Vergrößerung bei absolut ruhiger Sicht.« Das eröffne unter anderem bei komplexen Eingriffen neue Möglichkeiten.

Den Kosten für eine solche Technologieinvestition stehen laut Experten die Vorteile von schnelleren und präziseren Eingriffe gegenüber. Das ist nicht nur schonender für die Gesundheit der Patienten, sondern auch effizienter für die Krankenhäuser.

Ein unentbehrlicher Assistent für unseren Alltag

Auch außerhalb von Krankenhäusern und dem Arbeitsleben werden uns die Cobots in Zukunft wohl häufiger begegnen. »Roboter werden den Menschen zukünftig bei vielen alltäglichen Aufgaben unterstützen. Und auch autonomes Fahren wird aus diesem Alltag nicht wegzudenken sein«, sagt Dr. Till Reuter, CEO der KUKA AG. In einer strategischen Partnerschaft mit Volkswagen arbeitet KUKA an roboterbasierten Lösungen für elektrisch angetriebene und autonom fahrende Autos. So verbindet ein sensitiver, MRK-fähiger Roboter beim gemeinsamen Forschungsprojekt e-smart Connect ein VW-Elektrofahrzeug selbstständig mit einer Ladestation. Das Auto muss dafür nur auf einem gekennzeichneten Parkplatz abgestellt werden, alles Weitere erledigt der maschinelle Assistent.

Gemeinsames Projekt von KUKA und Volkswagen: Der Roboter als Assistent für Elektroauto-Fahrer.
Gemeinsames Projekt von KUKA und Volkswagen: Der Roboter als Assistent für Elektroauto-Fahrer.

Roboter sind kräftig, unermüdlich, arbeiten exakt und zuverlässig. Sie können Menschen unangenehme oder gefährliche Tätigkeiten abnehmen, ihnen im Alltag helfen. Die Bandbreite an Möglichkeiten ist riesig, die Ideen reichen von intelligenten Alarmanlagen über das Reinigen von gefährlichen Substanzen bis hin zum Hebe-Assistenten.

»Ich glaube, der Anfang ist gemacht«, sagt Reuter über die Zukunft der Robotik für den Endverbraucher. »Die ersten Handys waren nur zum Telefonieren da. Heute hat fast jeder mit dem Smartphone einen permanenten Lebensbegleiter. Ich glaube, in der Robotik werden wir eine ähnliche Entwicklung haben.«

Und vermutlich klingt in einigen Jahren die Frage: »Haben Sie schon so einen Cobot?« gar nicht mehr so futuristisch.

Sie wollen weitere Informationen? Erfahren Sie mehr über Mensch-Roboter-Kollaboration auf dem KUKA Blog oder zu Cobots in der Industrie auf unserer Website kuka.com.

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