Kick it like Beckham: Die RoboCup German Open 2018 in Magdeburg

Mitte Juni wird die Fußballweltmeisterschaft 2018 in Russland angepfiffen. Die Robotik hatte bereits Ende Mai das WarmUp zum wichtigsten Fußballevent des Jahres – den RoboCup. Dort treten Roboter und deren menschliche Entwickler gegeneinander an. Das ambitionierte Ziel: 2050 soll eine Robotermannschaft in der Lage sein, gegen eine Nationalelf zu spielen.

Mit Trippelschrittchen nähert sich der kleine Roboter dem Tor, gemächlich kickt er den Fußball am Gegner vorbei. Der Torwart kämpft auch ohne Berührung mit der Schwerkraft und geht zu Boden. Langsam rollt der Ball ins Netz. Tor! Gegen die brillante Technik eines Cristiano Ronaldo oder die Geschwindigkeit eines Neymar hätten die kleinen Roboter keine Chance. Unterhaltsam ist das Spiel der Maschinen beim RoboCup auf jeden Fall. Doch das Roboter-Turnier ist mehr als nur Show – und mehr als „nur“ Fußball.

Robot at RoboCup

Gegründet wurde der RoboCup vor 20 Jahren, um die Forschung voran zu bringen. Nach und nach kamen weitere Ligen hinzu, mit internationalen Teams von Universitäten und Forschungsinstituten. In jeder Liga müssen die Roboter in verschiedenen Aufgaben ihr Können unter Beweis stellen, die für menschliche Begriffe einfach sind, für Maschinen jedoch eine Herausforderung. So müssen die Roboter durch Sand fahren oder Objekte von einem Förderband greifen. Ende April fand der deutsche Ableger des Events, die RoboCup German Open, in Magdeburg statt – mit KUKA als einem der Sponsoren.

Wie bei der RoboCup-Weltmeisterschaft mussten sich die Entwickler mit ihren Robotern in fünf verschiedenen Ligen beweisen, von der Unterstützung im Alltag über Fußball spielen bis hin zu Katastrophenszenarios. In der RoboCup@Work Liga wird der Einsatz von Robotern in der Industrie erforscht und getestet. Im Vordergrund steht dabei die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Roboter. Tim Friedrich, Entwickler bei KUKA, ist regelmäßig beim RoboCup vor Ort. Er ist begeistert von den Ideen – und der Begeisterung der Teams: „Es war wieder sehr spannend! Letztes Jahr gab es viele Wechsel in den Gruppen. Dieses Jahr waren die Teams deutlich eingespielter und haben sich verbessert.“

RoboCup Magdeburg Robot

Dabei stehen vor allem die Entwickler und Programmierer von morgen im Mittelpunkt: Ein wichtiger Teil der German Open in Magdeburg ist die Junior Meisterschaft, bei der Schülergruppen um die Teilnahme an der RoboCup Weltmeisterschaft und der RoboCup Junior Meisterschaft kämpfen. Die Schüler zwischen 10 und 19 Jahren treten mit selbst konstruierten Robotern in den Kategorien OnStage, Rescue und natürlich auch Soccer gegeneinander an – und zwar mit voller Begeisterung.

„Das Besondere am RoboCup ist die Atmosphäre“, erzählt Tim Friedrich. „Es ist allerdings über die Jahre schon ein bisschen ruhiger geworden. Früher wurde noch bis nachts um drei an den Robotern gearbeitet. Jetzt wird das Gelände ab einer gewissen Uhrzeit geschlossen. Die Teilnehmer würden arbeiten bis sie umfallen, denen macht das so viel Spaß.“

Im Vordergrund steht dabei immer die Forschung. „Um teilzunehmen, muss man ein Forschungspapier einreichen, in dem man erklärt, wie man mit seinen Forschungen die Liga weiter bringen möchte. Zusätzlich muss man in einem Video zeigen, dass der Roboter auch das kann, was das Team verspricht.“, erklärt Friedrich. Der Entwickler sammelt auf dem Event Input für seine Arbeit in der Konzernforschung bei KUKA: „Der wissenschaftliche Teil des Events wird von Außenstehenden unterschätzt. Dabei gibt es auch einige Erfolgsstorys, die sich aus dem RoboCup entwickelt haben. Zum Beispiel haben schon manche Teilnehmer mit ihren Ideen eine eigene Firma gegründet.“

Und ist es denn nun realistisch, dass bis 2050 ein Roboterteam gegen die Nationalmannschaft antritt? „Auf jeden Fall…“, sagt Friedrich und lacht. „Naja, Spaß beiseite. Ich denke es ist noch ein weiter Weg. Vielleicht könnte es möglich sein – es ist ja noch ein bisschen Zeit bis dahin.“

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