KUKA Prototype

„Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?“

Nein, Sie befinden sich nicht im Schulunterricht. Hier geht es um vereinfachte Versuchsmodelle eines geplanten Produktes oder Bauteils – kurz Prototypen. Doch was hat die weltberühmte Ballade „Erlkönig“ von Johann Wolfgang von Goethe mit dem Prototypenbau zu tun? Welche Vorteile hat dieser und welche Prototypen werden bei KUKA gebaut? Wir haben uns umgehört.

Prototypen erstmals in der Presse

Prototypen sind erstmals in den 1950er Jahren in den Fokus der Presse gerückt, als Heinz-Ulrich Wieselmann, Chefredakteur der Automobilzeitschrift „auto motor und sport“, und sein Kollege, Automobilhistoriker Werner Oswald, ab 1952 in jeder Ausgabe ungefragt ein Bild eines eigentlich geheimen Automobilprototypen veröffentlichten. Laut Oswald galten diese Bilder damals als „nie dagewesene Provokation der Automobilindustrie“. Aus diesem Grund entschieden sich die beiden dazu, die Veröffentlichungsreihe mit kleinen achtzeiligen Gedichten im Stil des Erlkönigs zu untermalen „um den betroffenen Industriefirmen die bittere Pille ein wenig zu versüßen“. Da die Rubrik „Erlkönig“ getauft wurde, wurde fortan jeder Prototyp in der Zeitschrift als solcher bezeichnet. Die erste Folge handelte über den Mercedes-Benz 180.

Die Automobilindustrie reagierte darauf, indem verschiedenste Tarnungen für die „Erlkönige“ konzipiert wurden. Von Tarnfolien über Vollverkleidungen und den Einbau neuer Technologien in ältere Modelle werden alle Mittel benutzt, um die Geheimhaltung zu gewährleisten.

Prototypen bei KUKA

Im Gegensatz zu den Automobil-„Erlkönigen“ verlassen die Prototypen der KUKA nicht das Betriebsgelände. Aufwendige Tarnung ist in der hauseigenen Werkstatt deshalb nicht nötig. „Bei uns in der Abteilung muss der Montageprozess sichergestellt werden. Es müssen Fragen geklärt werden, ob in der Fertigung bestimmte Vorrichtungen gebraucht und wie die Arbeitsplätze besetzt werden müssen“, erklärt Sören Papsdorf, Abteilungsleiter der Montageprozessentwicklung.

3D-Drucker

Hergestellt werden die Prototypen mit 3D-Druckern. Dabei wird der thermoplastische, biologisch abbaubare Kunststoff Polylactide (PLA), der in Drahtform auf einer Rolle aufliegt, bei 215°C aufgeschmolzen und Schicht für Schicht aufgetragen. So entstehen einzelne Roboterbauteile aus Kunststoff. „Wir können an den Prototypen beispielsweise den Einbau der Kabelsätze perfektionieren, sodass in der späteren Serienfertigung des Produktes der Montageprozess reibungslos abläuft“, schildert Papsdorf.

KUKA „Erlkönige“ existieren bereits von unterschiedlichen Robotermodellen. Projektlaufzeiten können durch Prototypen um vier bis sechs Wochen verkürzt werden – ein großer Vorteil der Prozessentwicklung. Wenn die Produkte in die Serienfertigung gehen, sind die Prototypen nicht mehr von Bedeutung. Doch anders als bei Goethe „stirbt“ nicht jeder Prototyp in den Armen seines Vaters, sondern darf als umgebaute Schreibtischlampe für besondere Anlässe weiterleben.

Mehr zum Thema 3D-Druck finden Sie unter www.blog.kuka.com/2018/03/20/schnelle-entwicklung-schicht-fuer-schicht-mit-3d-druck/

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