„Viele wollen mit uns zusammen diesen Weg gehen“

Ob KUKA Connect, ein neues Accelerator-Team oder junge Start-Ups für neue Geschäftsmodelle: Bei KUKA steht das Thema Vernetzung in Sachen Industrie 4.0 ganz oben auf der Agenda. Im Interview sprachen Christian Schlögel, Chief Digital Officer (CDO) und Rohitashwa Pant, Senior Vice President Industrie 4.0 Accelerator über ehrgeizige Projekte, KUKAs Vorteile gegenüber etablierten IT-Unternehmen und den „Stallgeruch“ unseres Unternehmens.

Herr Schlögel, Herr Pant, haben wir jetzt mit KUKA Connect heute schon die „Produktion der Zukunft“ in Halle 7?

Schlögel: Die Fabrik der Zukunft ist nicht etwas, was man einmal fertig hinstellt, sondern ein evolutionärer Prozess, der die nächsten fünf bis zehn Jahre laufen wird. Mit der Vernetzung und Anbindung der Maschinen an die Cloud und dem Monitoring haben wir einen Schritt dahin gemacht. Wir werden die Entwicklung in Halle 7 regelmäßig mit neuen Funktionalitäten anreichern und lernen.

Also ist die Installation von KUKA Connect in Augsburg auch ein Testlauf?

Schlögel: Das ist der riesige Vorteil, den wir im Vergleich zu den IT-Unternehmen haben: Wir können unsere Entwicklungen bei uns selbst testen. So sehen wir, ob es funktioniert, im Produktionsalltag einen echten Mehrwert hat und wir Versprechen erfüllen. Da sind Kollegen wie unser Produktionschef die besten Testkunden. Wenn sie es täglich einsetzen, haben wir einen guten Job gemacht.

Pant: Es ist für uns auch ein guter Showcase, um potenziellen Kunden zu demonstrieren, wie man auf bestehenden Strukturen aufbauen kann. Wir bei KUKA haben diese Linie ja nicht neu gebaut mit dem Fokus Industrie 4.0, sondern unsere Technologien in eine bestehende Linie eingebracht, die Maschinen angebunden und hatten so alles relativ zügig in der Cloud. So zeigen wir, dass wir Kunden in ihrer existierenden Produktion helfen können. Wenn jemand bereits tausende Roboter im Einsatz hat, wird er nicht alles neu kaufen, nur um sie in die Cloud zu bringen – auch wenn das natürlich schön wäre (lacht). Zu 90 Prozent bringen wir die Features in bestehende Strukturen.

Wie sieht es denn in dieser neuen, vernetzten Produktionswelt mit der Datensicherheit aus?

Schlögel: Wir hosten dieses System auf einer sehr professionellen Umgebung von Microsoft und es läuft verschlüsselt über ein Telekom-Rechenzentrum, also auf der Ebene sind wir sehr sicher. Aber das ist natürlich ein Thema, an dem wir dranbleiben. Und wir ergänzen sie weiter. Um maximale Sicherheit bieten zu können, haben wir uns auch starke Partner gesucht, wie eine Münchner Firma, die sich mit dem Thema Mobile Security beschäftigt. Da arbeitet ein kompletter Bereich mit 800 Leuten nur daran, zusätzliche Sicherheitssoftware einzubringen.

Wie funktioniert denn so eine Software? Können Sie uns da ein Beispiel nennen?

Pant: Es gibt beispielsweise eine Software zum Thema Anomalie-Erkennung. Typischerweise kommuniziert der Roboter mit unserer Nebbiolo-Box. Wenn er plötzlich anfängt, alle möglichen anderen Geräte zu scannen und irgendwie zu kontaktieren, wäre das eine solche Anomalie. In diesem Moment reagiert die Software. Sie erkennt diese Unregelmäßigkeit im Verhalten des Roboters und schaltet die Systeme so ab, dass sie zwar noch weiter laufen, aber nicht mehr kommunizieren können.

Die Nebbiolo-Box und einen Prototyp von KUKA Connect hatten wir ja auf der vergangenen Hannover Messe vorgestellt…

Schlögel: Genau, 2016 haben wir die erste Produktvariante gebaut, die stark roboterbasiert ist. Da haben die Kollegen vom KUKA Team in Austin wirklich ein super Job gemacht. Wir haben das jetzt auf andere Maschinen erweitert. Wir haben auch andere Partner angebunden, die Schweiß- Klebe-, Nietmaschinen oder Sonstiges haben. Das spielt dann mit unserer Lösung zusammen. Wir werden uns da in nächster Zeit sehr stark in dieser Ecosystem-Welt positionieren.

Wird KUKA jetzt zu einem Software-Unternehmen?

Pant: Nein, aber wir eignen uns noch zusätzlich Softwarekompetenz in größerem Maße an. Das heißt nicht, dass wir Kompetenzen in Mechatronik, Prozesstechnologie und Anlagenbau nicht mehr benötigen. Dann wären wir ja „nur“ wie ein normales IT Unternehmen und hätten keine so guten Chancen, denn in diesem Bereich sind alle schon etabliert. Wir haben sehr gute Mechatroniker, Ingenieure und tolle Mitarbeiter, die Fertigungsprozesse designen, beherrschen und durchführen. Wir punkten mit der Kombination von Automatisierungs- mit Digitalisierungskompetenz.

Schlögel: Eigentlich haben wir schon immer Industrie 4.0 gemacht, Roboter vernetzt und Daten analysiert. Jetzt haben wir neue Technologien und Möglichkeiten, wir haben neue Sensoren und können mehr Daten verarbeiten. Unser Wissen über Produktionsprozesse und Mechatronik ist  von zentraler Bedeutung, um am Ende Daten zu analysieren und Thesen zu erstellen. Das kann kein IT-Mensch der noch nie einen Roboter gesehen hat. Da sind wir auch glaubhafter. Unsere Wettbewerber kommen aus einem ganz anderen Umfeld und haben nicht diesen „Stallgeruch“.

Deutschlands Mittelstand wird oft vorgeworfen, zu zögerlich auf das Thema Digitalisierung zu reagieren. In Ihrem neuen Industrie-4.0-Team sprechen Sie ja mit vielen Kunden darüber. Welche Erfahrung haben Sie gemacht?

Pant: Ich glaube es gibt momentan in Deutschland keinen Geschäftsführer, der Industrie 4.0 nicht auf seiner Agenda hat. Jedes Unternehmen muss das Thema für sich selbst interpretieren und seinen Weg finden. Natürlich gibt es Bedenken wegen Datenschutz, aber nichts zu machen ist definitiv die falsche Entscheidung. Wir haben zig Gespräche mit anderen Maschinenbauern geführt und bekommen für unseren Ecosystem-Gedanken viel Zuspruch. Viele erkennen, dass KUKA hier schon weiter ist und wollen mit uns zusammen diesen Weg gehen.

Schreibe einen Kommentar