3 Fragen 3 Antworten: „Nur die Geschichte erklärt die Gegenwart“

Johann Josef Keller und Jakob Knappich haben im Jahr 1898 KUKA als Acetylenwerk für Beleuchtungen in Augsburg gegründet. Aus den Anfangsbuchstaben von „Keller und Knappich Augsburg“ entsteht die Kurzform KUKA, die zur Marke wird. KUKA hat sich im Laufe der Zeit immer wieder neu erfunden – und feiert in diesem Jahr 120-jähriges Jubiläum. Doch warum feiern Unternehmen eigentlich ihre Geburtstage? Welchen Stellenwert Firmengeschichte in der heutigen Zeit hat und warum wir Eintagsfliegen nicht vertrauen, hat uns Dr. Dirk Reder, Experte für Geschichtskommunikation, beantwortet.

Warum ist die Geschichte eines Unternehmens wichtig?

Nur die Geschichte erklärt die Gegenwart. Ohne die Geschichte ist es z.B. unverständlich, warum KUKA so und so aufgestellt ist, warum die Firmenzentrale in Augsburg ist und wieso diese oder jene Werte das Unternehmen prägen. Die Identität eines Unternehmens entsteht aus der Geschichte. Auch wer ein Unternehmen führen und verändern will, der sollte dessen Geschichte und seine Pfadabhängigkeiten kennen. Natürlich ist die Geschichte auch ein tolles Marketing-Instrument, aber wer Mitarbeiter binden und Vertrauen aufbauen will, der sollte seine Geschichte erzählen. Die Geschichte beweist glaubwürdig, was das Marketing nur behaupten kann.

Ist Jubiläumskommunikation im Trend? Und wenn ja, warum?

Meiner Beobachtung nach ja. Natürlich wollen und müssen Unternehmen modern und innovativ sein, aber gerade angesichts des rasanten Wandels suchen die Menschen auch nach dem Dauerhaften, Stabilen und Vertrauten: Dazu gehören die Identität einer Firma, ihre Werte und Kultur. Einer Eintagsfliege vertrauen wir nicht, wohl aber einem 100-jährigen Unternehmen, das schon viele Krisen gemeistert hat. Deshalb werden Geschichte und Identität immer wichtiger. Geschichte kann man nicht erfinden, sondern sie ist authentisch und glaubwürdig, baut Vertrauen auf, zahlt auf die Marke ein, begeistert Mitarbeiter.

Welche Bedeutung hat die Geschichte für ein zukunftsorientiertes Unternehmen wie KUKA, das sich vor allem mit Technologien von morgen beschäftigt?

Auch ein Zukunftsunternehmen braucht Identität. Das Interessante an der KUKA Geschichte ist ja, dass sich KUKA immer schon mit Technologien von morgen beschäftigt hat: Zunächst ging es um die Beleuchtung der damals noch ziemlich finsteren Städten, dann um die neue Erfindung des Autogen-Schweißens, dann um die Weiterentwicklung der Schweißtechnik bis zur ersten Vielpunkt-Schweißstraße für VW. Dann wird KUKA Pionier der Roboter-Technik. KUKA hat eine ganze Geschichte der Zukunftsvisionen. Die Geschichte beweist also, dass KUKA schon immer ein hoch innovatives Unternehmen war, dass die Zukunftsorientierung zur DNA von KUKA gehört. Das legt natürlich nahe, dass es auch in Zukunft so sein wird. Und am Ende einer Firmengeschichte steht ja nicht die Gegenwart, sondern ein Zukunftsausblick mit kühnen Visionen. Um einen Geschäftsbericht zu zitieren: „Hello Future“.

Dr. Dirk Reder (*1965) hat nach einer journalistischen Ausbildung in Köln Geschichte und Wirtschaftsgeschichte studiert, promoviert und dann einige Jahre für Siemens Marketing für Industrieautomatisierung gemacht. 1999 gründete er zusammen mit Dr. Severin Roeseling und Dr. Thomas Prüfer das „Geschichtsbüro Reder, Roeseling & Prüfer“, das Firmen und andere Institutionen multimedial bei der Nutzung ihrer Geschichte für Unternehmenskommunikation und Marketing unterstützt.

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